Territorium und Textur
Die Puna beginnt dort, wo Vegetation zurücktritt und der Blick weit wird. Auf über dreitausend Metern verändert sich nicht nur die Landschaft, sondern auch das Verhältnis zu Material und Zeit.
Wolle wird hier nicht als abstraktes Material verstanden. Sie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Tierhaltung, Klima und Höhenlage. Die Kälte, die Trockenheit, die Intensität der Sonne – all das beeinflusst, wie Fasern verarbeitet werden, wie dicht gewebt wird, wie Spannungen im Gewebe gehalten werden.
Techniken, die heute angewendet werden, sind Teil eines fortlaufenden Umgangs mit Umgebung und Alltag. Wissen wird nicht erklärt, sondern praktiziert. Es zeigt sich in der Art, wie Fäden geführt werden, wie Muster aufgebaut sind, wie Farben aus Pflanzen gewonnen werden, die in dieser Höhe wachsen.
Unsere Teppiche entstehen nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Jede Farbe ist ein Abdruck der Landschaft. Jeder Faden ein Echo des Ortes, der ihn hervorgebracht hat.
Historisch war die Andenregion kein abgeschlossener Raum. Lama-Karawanen verbanden unterschiedliche Höhenstufen miteinander. Materialien, Geschichten und Handwerkstechniken zirkulierten über große Distanzen. Textil war Teil dieser Bewegungen, Träger von Austausch, nicht Zeichen von Isolation.
Wenn heute in der Puna gewebt wird, geschieht das innerhalb dieses gewachsenen Gefüges. Ein Teppich entsteht nicht aus einer Idee allein, sondern aus Bedingungen: aus Höhe, aus Erfahrung, aus einem Verständnis von Material, das sich über Generationen entwickelt hat.